Als jemand, der Fitnesstraining jeglicher Art liebt, fand ich den Trend des EMS-Trainings, bei dem ein Gerät Strom durch den Körper jagt, natürlich sofort interessant – allerdings die daran geknüpften Werbeansätze fraglich. Fit, stark und schlank werden, ohne sich dafür bemühen oder nennenswert Zeit investieren zu müssen, so das versprechen der Reklamen. Mein gesunder Menschenverstand warnt mich, dass irgendetwas daran faul sein muss und ich meine nicht den an das Gerät angeschlossenen Menschen.

Bei einer reißerischen Überschrift wie „Schneller werden, ohne sich anstrengen zu müssen“, springe ich als nicht übermäßig begnadete Läuferin übrigens auch sofort an. Und das, obwohl sich natürlich sofort Skepsis breit macht. Zu oft habe ich gehört und erfahren, dass nichts um regelmäßiges Training, mühselige Intervalleinheiten oder gesprintete letzte Meter geht. Auf den ersten Blick scheint das Konzept also ein Fass ohne Boden zu sein. Auf den zweiten allerdings ziemlich genial. Denn wenn man dabei auf den oft vernachlässigten Laufstil abzielt und nicht auf die bekannten und absolut zielführenden Trainingsmethoden, ergibt alles einen Sinn.

Mit einer guten Haltung (körperlich und geistig) und reibungslosen Bewegungsabläufen lässt sich eine Menge herausholen und das tatsächlich, ohne dass man sich dabei anstrengen muss. Wer die folgenden Punkte beachtet, fühlt sich nicht nur schneller, sondern wird es tatsächlich auch:

  • Körper und Blick in Bewegungsrichtung ausrichten. Auch die Gedanken! Versuche, gezielt „nach vorne“ zu denken, während du eine leichte Ganzkörpervorlage einnimmst.
  • Richte den Fokus deiner Gedanken auf das Abheben deiner Füße, nicht auf das Aufkommen auf dem Boden. Eine geniale Methode, die tatsächlich leichtfüßiger macht und zu einem guten Laufstil beiträgt.
  • Während du dem Landen deiner Füße auf dem Boden nicht viel Aufmerksamkeit schenkst, konzentriere dich auf einen energetischen, nach vorne gerichteten Abdruck des Fußes mit geringer Bewegungsamplitude nach oben. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. In anderen Worten gesagt: Du darfst nicht das Gefühl haben, dass du den Fuß in den Boden oder nach oben abdrückst, sondern immer in Bewegungsrichtung.
  • Beim Aufkommen der Füße auf dem Boden die Knie nicht durchstrecken. Die Knie sollten leicht gebeugt sein, so wird der Aufprall automatisch vor allem durch die Beinmuskulatur abgefangen und gedämpft und nicht durch die Knochen.
  • Versuche, so geräuschlos wie möglich zu laufen. Schlurf- oder Bremsgeräusche der Schuhe auf dem Boden sowie fliegender Bodenbelag sind eindeutige Anzeichen von verschwendeter Energie.
  • Die Arme locker beim Laufen mitschwingen lassen und parallel zum Körper ausrichten. Hier bloß kein Chaos anrichten und die Arme vor den Körper kreuzen, das fühlt sich nicht nur ausbremsend an, das ist es auch.
  • Körperspannung bewusst halten (solange das noch nicht unbewusst passiert) und zwar in jedem Bewegungsmoment. Also aufrichten, groß machen und sich groß denken.
  • Aber Achtung: Körperspannung bedeutet nicht, dass du dich verkrampft oder angespannt fühlen sollst. Achte darauf, Lockerheit zu bewahren, vor allem, je schneller du wirst. Lockerheit ist das Gegenteil von Verkrampfung, nicht von Körperspannung. Das wird gerne mal durcheinander gebracht.
  • Die Hüften beim Laufen immer leicht nach vorne schieben, ohne dabei ins Hohlkreuz zu fallen. Das trägt automatisch zu mehr Rumpfstabilität bei.
  • Die Bodenkontaktzeiten so kurz wie möglich halten. Dieser Punkt ist vor allem relevant für Läufer, die auf dem hinteren Fuß auf dem Boden aufkommen. Ein gutes Training für Frequenzschnelligkeit sind Sprints und Bergläufe, bei denen man ab einem gewissen Tempo automatisch auf dem Vorfuß läuft und kleinere Schritte macht.