Einen Marathon zu laufen – das ist für mich noch immer eine ziemlich verrückte Idee. Mir fallen etliche Gründe ein, es sein zu lassen. Ich denke da an schlechte Tagesformen, die mich hier und da sogar kleine Trainingsläufe haben abbrechen lassen. Daran, wie ich bei einem langen Lauf vor Langeweile mit anderen Läufern sprechen wollte, aber zu fertig war, um ein Wort hervorzubringen. Schlagartig erinnere ich mich, wie ich immer wieder die letzten Kilometer durchgezogen habe und mich bei jedem Schritt auf meine bleiernden Beine konzentriert habe. Ich habe sie intensiv verflucht. Hätte ich dieses Konzentrationsvermögen mal bei meinen erfolglosen Selbstversuchen in autogenem Training gehabt, dann hätten sie sicher nicht unter dem Motto Trial & Error gestanden.

Ich ahne, dass ich kräftig an meinem Mindset rütteln müsste, um überhaupt eine realistische Chance zu haben, einen Marathon finishen zu können. Sehr vieles, das habe ich in den letzten Tagen oft gehört, spielt sich bei so einer Mammut-Distanz im Kopf ab. Die richtigen Gedanken können in schwachen Momenten viel bewirken. Und schwache Momente haben auch die Fittesten. Wer sich uninspiriert fühlt, darf hier also gerne mal spicken, denn ich habe eine Auswahl an erprobten SOS-Selbsthilfe-Gedaken und Strategien zusammengetragen, mit denen man sich über lange Distanzen behelfen kann. Vielleicht hilft es ja einigen beim nächsten Rennen.

  • Nach dem 21. Kilometer: Zähle die kommenden Kilometer rückwärts runter, statt von 22 bis 42 weiter hoch zu zählen.
  • Alternative: Zähle nicht die Kilometer, sondern konzentriere dich auf die Zeit. Denke daran, einfach einen beispielsweise vierstündigen Lauf zu absolvieren.
  • Denke an deine Arme, wenn deine Beine schwer werden.
  • Erstelle deine Playlist im Vorfeld mit Bedacht. Suche positive Songs aus, die du mit bestimmten Menschen, Momenten oder Lebensphasen in Verbindung bringst. Versetze dich bei jedem dieser Songs bewusst dahin zurück. Ihr wisst ja: Die Zeit vergeht wie im Fluge (Mit ein bisschen Fantasie auch bei einem Marathon).
  • Der Marathon ist ein guter Moment, um den Weg bis hierhin Revue passieren zu lassen. Versuche, dich an jeden einzelnen Trainingslauf zu erinnern und denke daran, dass alle in den letzten Monaten auf genau diesen Moment hin gefiebert haben.
  • Widme jeden Fünf-Kilometer-Abschnitt einem Menschen, der dir wichtig ist. Denke an diese Person, wenn du Kraft und Inspiration brauchst.
  • Konzentriere dich auf die Wasserstationen. Sie sind deine Etappenziele. Feiere dein Ankommen wie einen kleinen Sieg und danke den Helfern. Dann sag dir: „Auf zur nächsten!“ Weiter denkst du erst, wenn du die Station erreicht hast.
  • Lächle! Das gibt dir Kraft und die Menschen feuern dich automatisch mehr an, was dir gleich neue Energie gibt. Schnelle Energierückführung nennt man das – das kennt ihr doch.