Bisher habe ich immer gedacht, dass Laufen so ziemlich die einfachste Sportart der Welt ist. Man benötigt kein Equipment, kann im Grunde überall in Aktion treten und man folgt einer natürlichen Bewegung, die nicht erst erlernt werden muss. Die Intensität des Trainings können wir selbst bestimmen. Gerät man anfangs noch schnell aus der Puste, wird einfach ein Gang herunter geschaltet und das Tempo verlangsamt. So kann man sich auch als Anfänger strategisch ans Laufen herantasten. Wer noch nicht einen Kilometer durchjoggen kann, läuft einfach eine Minute zügiger und geht anschließend eine Minute, um danach wieder einen Zahn zuzulegen und so weiter. Mit steigender Fitness wird die Laufeinheit einfach verlängert und es werden immer weniger Schritte gegangen. Auf diese Weise kommt garantiert jeder voran. Kann ich nicht, gibt’s nicht. Wer da noch nach Gründen sucht, das Laufen lieber sein zu lassen, muss schon verdammt einfallsreich sein.

Mein fetter Respekt gilt der Fitness-Ratgeberredaktion eines großen TV-Senders, über deren ernst gemeinten Artikel ich vor wenigen Tagen gestolpert bin. Offenbar suchte der anonyme Verfasser der staunenswerten Niederschrift nach Verbündeten, welche die eigene Antriebslosigkeit teilten, um sich besser zu fühlen. Tatsächlich reichten die Top-5-Anti-Gründe von der Milchmädchenrechnung „wer läuft lebt länger, aber die dazu gewonnene Lebenszeit geht ja auch wieder fürs Joggen drauf“ bis hin zu „beim Rumsitzen verbrennt man immerhin auch rund 70 Kalorien die Stunde“ – ist ja auch fast genau so viel wie die 700 Kalorien, die ein erwachsener Mann in etwa pro Stunde beim Laufen verbrennt. Diese Argumente finde ich so köstlich wie das Snickers, das sich der Redakteur vor meinem geistigen Auge beim Heruntertippen dieser unterhaltsamen Lektüre reingezogen hat.

Statt hinkender Vergleiche liefere ich euch lieber fünf gute Gründe, sofort mit dem Joggen anzufangen. Vom knackigen Hinterteil mal abgesehen.

1. Bessere Laune

Beim Laufen werden nachweislich die Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin abgebaut. Stress, Ärger und schlechte Laune werden dadurch reduziert. Gleichzeitig werden Glückshormone wie zum Beispiel Endorphine freigesetzt. Diese wirken schmerzhemmend, angstlösend und machen glücklich. Einige erleben sogar einen ekstatischen Zustand, den so genannten Runner’s High.

2. Mehr Selbstwertgefühl

Studien haben gezeigt, dass sich Läufer, die im aeroben Bereich trainieren, nach dem Laufen ausgeglichen und rundherum wohl fühlen. Aerober Bereich bedeutet, dass Sauerstoffbedarf und Sauerstoffaufnahme in Balance sind (in diesem Bereich laufen die meisten Freizeitjogger; erst bei sehr hoher Intensität überschreiten wir die anaerobe Schwelle). Die Erfahrung etwas aus eigener Kraft zu leisten und damit die körperliche Fitness zu verbessern steigert automatisch unser Selbstwertgefühl und unsere Lebensfreude.

3. Gesteigerte Kreativität

Weil das Gehirn beim Laufen besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird, trainiert man es beim Joggen gleich mit. Die Folgen sind unter anderem eine bessere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie ein Anstieg der Kreativität. Daher ist es nicht verwunderlich, dass vielen Läufern beim Laufen die besten Ideen und Lösungsansätze für Probleme in den Sinn kommen. Dazu wird der gleichmäßige Rhythmus des Laufens von vielen als meditativ empfunden, was diese Effekte zusätzlich verstärkt. Ich kann das bestätigen!

4. Stärkere Knochen

Wer glaubt, dass Knochen geschont werden, wenn wir sie nicht gebrauchen, der irrt. Durch das Schonen der Knochen werden Mineralsalze aus ihnen geschwemmt und das Osteoporose-Risiko steigt. Unter anderem mit Bewegung können wir solchen Prozessen entgegensteuern. Wer zusätzlich noch Vitamin D und Calcium aufnimmt, tut viel für seine Knochengesundheit. Das Skelettsystem wird beim übrigens Laufen gleichmäßig belastet und bekommt den Knochen daher in der Regel sehr gut. Auch Sehnen und Bänder werden gestärkt.

5. Tieferer Schlaf

Wer regelmäßig läuft, schläft in der Regel besser ein. Außerdem dürfen Läufer sich über längere Tiefschlafphasen und damit einen erholsameren Schlaf freuen. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie ist, dass die erhöhte Körperkerntemperatur den tieferen Schlaf verursacht. Auch chemische Folgeprozesse im Gehirn sollen eine Rolle spielen. Wer unter Ein- oder Durchschlafstörungen leidet, tut also gut daran, regelmäßig laufen zu gehen. Allerdings sollte in dem Fall besser tagsüber als abends gelaufen werden, da die eine Weile nach der sportlichen Aktivität erhöhte Herzfrequenz zunächst vom Schlaf abhalten kann.