(English summary below) adidas Runners Berlin Crew Runner und RUNBASE Berlin Trainerin Jana hatte einige hundert Trainingskilometer in den Beinen, als sie am letzten Sonntag beim Berliner Halbmarathon mit dem Ziel einer neuen Bestzeit im Startblock stand. Hochmotiviert und bestens vorbereitet. Wissend, dass ihre Freundinnen in den hinteren Startblöcken gerade genau so aufgeregt sind wie sie. Das sonnige Wetter schrie förmlich „Bestzeit“ und unsere Race Base in einer Bar nahe des Start- und Zielbereichs, mehrere Pacer sowie das gemeinsame Einstimmen mit der Community boten die perfekten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Rennen. Doch dann kam alles anders: Eine im wahrsten Sinne des Wortes viel zu lange Durststrecke, miese Krämpfe und schließlich immer wieder aufkommende Zweifel, das Rennen überhaupt beenden zu können, machten Jana einen Strich durch die Bestzeit-Rechnung.

Dieses Mal hat Jana ihr Ziel verfehlt, aber am Ende überwog nicht die Enttäuschung sondern der Stolz, es gemeinsam mit ihren Freundinnen geschafft zu haben. Die hatten teilweise erst im letzten Jahr mit dem Laufen begonnen und ihre ersten Kilometer gemeinsam mit ihr gemeistert. Und wenn die eigenen „Schützlinge“ überglücklich ihren (ersten) Halbmarathon nach einer gemeinsamen monatelangen Vorbereitung finishen, dann kommt der Runner’s High eben mit Verzögerung, aber verweilt dafür umso länger. Viel Spaß mit Janas Bericht.

hmgruppe

Recap: Berliner Halbmarathon 2016

Hätte uns jemand vor einem halben Jahr gesagt, dass wir vier Mädels gemeinsam beim Berlin Halbmarathon an den Start gehen, hätten wir mit hoher Wahrscheinlichkeit die geistige Zurechnungsfähigkeit dieser Person angezweifelt. Doch manchmal kommt alles anders als man denkt und so fanden Karin, Judith, Desirée und ich uns am vergangenen Sonntag tatsächlich in den Startblöcken des Berliner Halbmarathons wieder. Wir hatten uns ganz unterschiedliche Ziele gesetzt: zwischen 1:45 Stunden und „Hauptsache im Ziel ankommen“ war alles dabei. In der Vorbereitung haben wir gemeinsam trainiert, uns gegenseitig motiviert und bei Laune gehalten. Das hat zusammengeschweißt. Liefen wir gemeinsam, konnte uns nichts stoppen.

Von Null auf 21,095

Angefangen hatte alles an einem heißen Nachmittag im Juni. Während ich von meinem letzten Lauf mit der Community erzählte, kamen die Mädels auf die Idee, es auch einmal zu probieren. Ich fand das großartig! Sie waren damals absolute Beginner und da alle regulären Läufe zu schnell für sie waren, haben wir kurzerhand selbst einen Rookie Run ins Leben gerufen. Innerhalb kürzester Zeit wuchs unsere morgendliche Tiergartenrunde zu einem bunten Mix aus Morgenmuffeln, Marathonläufern und blutigen Anfängern heran. Das Training zahlte sich schnell aus; bei der Vattenfall City Nacht im Juli wurden die ersten fünf Kilometer im Wettkampf geprobt.

Blut geleckt

Einmal Wettkampfluft geschnuppert, sind Karin und ich im Oktober schließlich unsere ersten Halbmarathons gelaufen – sie in Rostock, ich auf Mallorca. Damals war ich glücklich, es überhaupt ins Ziel geschafft zu haben. Zurück in Berlin hatten wir sofort das nächste Ziel vor Augen: Den Berliner Halbmarathon. Ich wollte dieses Mal aber an einer neuen Bestzeit feilen. Dass Motivation und Kondition während der monatelangen Vorbereitung nicht immer auf Hochkurs waren, war eigentlich Nebensache, denn uns ging und geht es in erster Linie um das gemeinsame Laufen. Wir trainierten in dem Wissen, dass der innere Schweinehund nicht gegen uns vier auf einmal ankommen würde. Und so war es auch.

Plötzlich Einzelkämpfer

Während des Winters haben wir uns schließlich mit längeren und schnelleren Läufen an die Halbmarathondistanz herangetastet und eine gute Routine in das gemeinsame Lauftraining bekommen. Und dann stand auch schon der April vor der Tür. Egal wie schnell man ist, die Zeit rast irgendwie immer schneller. Obwohl wir mit 20 Grad und Sonnenschein echtes Traumwetter hatten, ging uns der Arsch kurz vor dem Startschuss auf Grundeis. Auch wenn man gemeinsam trainiert, am Tag des Rennens ist doch jeder auf sich gestellt. Noch schnell ein Foto, eine letzte Umarmung und schon ging es für uns in die verschiedenen Startblöcke.

3,2,1, GO!

Na das fing ja schon mal gut an! Wie in Zeitlupe bewegten sich meine Beine über die Startlinie. Laufen konnte man das absolut nicht nennen, denn die ersten Meter versuchte ich gefühlt 29348 Menschen auszuweichen. Bei Kilometer vier hatte sich das Meer aus Kompressionssocken langsam gelichtet. Zeit zum Durchatmen. Ich fragte mich, ob meine Mädels weiter hinten inzwischen auch schon gestartet sind.

Lichtblick auf Kilometer 13

Ich hatte noch ein paar Mal an sie gedacht, aber während der zweiten Hälfte war ich vor allem mit mir selbst beschäftigt. Die Kilometer zogen sich und die Beine waren schwer wie Blei geworden. Miese, so noch nie dagewesene Krämpfe hatten mich fest im Griff und mich fast zur Verzweiflung gebracht. Ich musste mich stark zusammenreißen, nicht einfach aufzugeben. Es war ein furchtbares Rennen, aber der Wille, das hier durchzuziehen, war größer. Während ich von einem neuen Beinpaar träumte, entdeckte ich meine Mutter am Straßenrand. Ein Lichtblick! Sie hatte für jede von uns Mädels ein eigenes Plakat gebastelt. Ich war gerührt und vergaß kurz all die Qualen. Der kleine Moment hatte mir die nötige Kraft gegeben, es am Ende tatsächlich irgendwie mit meinen Schmerzen ins Ziel zu schaffen.

Im Wechselbad der Gefühle

Kurz danach wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Mein iPhone-Akku zeigte noch jämmerliche zwei Prozent an und brachte damit auch mein körperliches Energielevel treffend zum Ausdruck. Ich fragte mich, ob irgendein Muskel nicht weh tat. Ob schmerzende Muskeln dazu gekommen waren, von deren Existenz ich vor diesem Rennen noch nichts gewusst hatte. Ich war wütend. Mein Körper hat mich eiskalt im Stich gelassen. Kurz war mir wirklich zum Heulen zumute. Doch das änderte sich schlagartig, als ich meine Freundinnen wieder sah. Wir hatten alle gekämpft. Egal wie qualvoll dieser Lauf war, der Stolz über die gemeinsame Leistung an diesem Tag überwog auf einmal – wir sind alle ins Ziel gekommen! Und ich weiß: Dieser Lauf war nur einer von vielen.

Hätte man mich zwischen dem 7. und 21. Kilometer nach einem Kommentar gefragt, hätte ich womöglich verkündet, dass ich mir das nie wieder antun werde. Aber dann kam alles anders und ich sage jetzt: Wir greifen wieder an – beim Berlin Marathon im Herbst!

_64A2152

English summary: Even the most experienced runners or coaches like our adidas Runners Berlin crew runner Jana (who is also a trainer at RUNBASE Berlin) cannot predict how a race will be. Jana was well prepared after several months of training for the Berlin half marathon with three of her friends, but on race day she had to struggle with cramps and failed to reach her goal of a new PB. First, she was really disappointed, but in the end the delight about the overall victory overweighs as she and all of her friends made it to the finish line – some of them for the first time in a half marathon race.