Für viele, die #BOOSTBERLIN nur vom Hörensagen kennen, sind wir vielleicht eine ganz gewöhnliche Interessengemeinschaft oder, mit einem Supporter wie adidas im Hintergrund, gar eine gelungene Marketingveranstaltung. Steckt man jedoch mittendrin, sieht und erlebt man ganz andere Dinge. Der Rahmen drumherum wird nebensächlich. Durch die Community wurden echte Freundschaften geschlossen und jedes Member hat eine eigene Geschichte zu erzählen. Besonders bewegend fand ich die Marathon-Story von Marieke, #boostmitte-Mitglied der ersten Stunde, eine tolle Läuferin (für diesen epischen #BOOST-Moment war sie mitverantwortlich) und vor allem ein ganz feiner Mensch. Ich habe Marieke gefragt, ob sie bereit wäre, den Weg zu ihrem ersten Marathon, der nach dem Zieleinlauf eine berührende und wenn ihr mich fragt schicksalhafte Überraschung für sie bereit hielt, noch einmal für diesen Blog zu erzählen… war sie. Eine absolute Pflichtlektüre, die ans Herz geht, das verspreche ich euch.

Member Story #1: Mariekes erster Marathon in New York

Im Herbst 2012 begleitete ich meine Mutter nach New York, wo sie den Marathon laufen wollte. Wir verbrachten zwar ein paar ereignisreiche und schöne Tage im Big Apple, doch Hurricane Sandy sorgte dafür, dass der Lauf kurzfristig abgesagt wurde.

Für mich war das Thema New York Marathon damit eigentlich abgehakt. Laufen gehörte damals – obwohl ich als Kind und Jugendliche begeistert Leichtathletik gemacht hatte – nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, und erst recht nicht eine so lange Distanz. Trotz meiner Abneigung stellte ich mich 2013 an die Strecke des Berlin Marathons, um meine Mutter anzufeuern – und wurde mit dem Marathon-Virus infiziert. Als meine Mutter vorschlug nochmals nach New York zu reisen und dort gemeinsam zu laufen, war ich dementsprechend begeistert.

Nachdem ich im April 2014 in Hannover meinen ersten Halbmarathon absolviert hatte, meldeten wir uns über einen Reise-Service für New York an. Zehn Wochen lang folgte ich meinem Trainingsplan fast bis ins kleinste Detail und fieberte dem großen Tag entgegen. Am 30. Oktober 2014 ging es dann endlich los in Richtung USA.

Die Tage vor dem Rennen füllten wir mit Sightseeing, einem Besuch der Marathon-Expo und natürlich der Pasta-Party im Central Park. Nach einer viel zu kurzen Nacht klingelte am Sonntag, dem 2. November um 4.15 Uhr der Wecker und läutete so einen der aufregendsten Tage meines Lebens ein. Dick eingepackt in drei Schichten alter Laufklamotten wurden wir per Charterbus nach Staten Island gefahren. Die Wartezeit im Startbereich verging erstaunlich schnell. Nur eins war unangenehm: der eisig kalte Wind. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h fegte dieser uns um die Ohren und sorgte später beim Laufen für erschwerte Bedingungen.

Meine Mutter und ich durften mit der dritten Welle starten und auf dem oberen Deck die Verrazano-Narrows-Brücke überqueren. Beim Anblick der Wolkenkratzer, die am Horizont in der Sonne funkelten, und der Menschenmassen, die sich vor und hinter uns erstreckten, überkam mich ein unbeschreibliches Glücksgefühl, welches sich auf dem Gesicht meiner Mutter widerspiegelte. Die ersten Kilometer vergingen wie im Fluge. Die Strecke führte uns von Staten Island hinüber nach Brooklyn, wo die längste “Block Party” der Welt begann: Kaum ein Meter Straßenrand blieb leer, überall standen jubelnde Menschen, Bands spielten an fast jeder Ecke und an jeder Meile reichten uns freiwillige Helfer Wasser und Iso-Getränke an.

Die 21-Kilometer-Marke befand sich direkt vor der Pulaski Brücke, über welche wir von Brooklyn nach Queens gelangten; kurz darauf ging es über die Queensboro Bridge nach Manhattan. Immer geradeaus auf der First Avenue liefen wir nördlich bis in die Bronx, dann wieder zurück nach Manhattan und auf der Fifth Avenue in Richtung Central Park. Auch hier drängten sich dicht an dicht die Zuschauer und feuerten uns auf jedem Meter an. Auf den letzten Meilen musste ich ganz schön kämpfen. Immer wieder ging die Straße nun auf und ab, schließlich rein in den Central Park, dann wieder raus am Central Park South, vorbei am Columbus Circle und zurück in den Park, wo an der “Tavern on the Green” die Ziellinie lag. Hand in Hand bestritten meine Mutter und ich die letzten Meter meines ersten und ihres 22. Marathons.

Das erste Gefühl im Ziel? Schmerz. Alles andere wär eine Lüge. Dann folgte die Erleichterung und als mir jemand die riesige Medaille um den Hals hängte, machten sich langsam auch Glück und Stolz bemerkbar. Die Zeit war mir in diesem Moment egal, ich wusste nur, dass sie um die 4-Stunden-Marke lag.

Als wir später unsere offizielle Zielzeit rausfanden, konnten wir beide es kaum fassen: 04:03. Eine passable Zeit für einen Marathon-Frischling wie mich, vor allem auf einer harten Strecke wie in New York. Noch viel erstaunlicher war jedoch, dass diese Ziffern auf mein Handgelenk tätowiert sind. Der 4. März war der Geburtstag meines Bruders, der ein Jahr zuvor plötzlich verstorben war. Er war selbst ein talentierter Läufer und in New York war er auf jedem Kilometer bei mir, da bin ich mir sicher.

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Kurz nach diesem Wahnsinnserlebnis wurde ich übrigens Mitglied bei #boostberlin und rund ein Jahr später bin ich noch immer begeisterte Läuferin. Ein wenig zu begeistert, muss ich zugeben. Meinen Start beim Berlin Marathon 2015 musste ich leider aufgrund einer Verletzung auf 2016 verschieben, stattdessen war ich zum Anfeuern dabei und durfte neben den vielen boost-Läufern auch meiner Mutter zujubeln. Sie hat mich übrigens darauf hingewiesen, dass es sich im kommenden Jahr um den 43. Berlin Marathon handelt. Zufälle gibt’s…

Vielen Dank, Marieke. 

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